Yousef

Das Musik-Manifest. 5 Thesen zur Musik im Zeichen der a2n.

In Credo der Woche, Medien, Musikfernsehen, Musikindustrie, Musikmarketing on 14/09/2009 at 22:58

Musik-ManifestIn den letzten Tagen und Wochen wurde viel über ein Manifest gesprochen, das hat mich ganz unruhig gemacht. So ein Manifest, das wollte ich auch und dann steht auch die all2gethernow an, da konnte ich nicht anders und habe kurzerhand ein Musik-Manifest verfasst. Nennt es Musik-Moneyfest oder Popkomm-Ringfest. Ist mir egal. Hauptsache ihr seid nett zueinander.

Die 5 Thesen:

  1. Die digitale Befreiung hat den Wert von Musik gesteigert.
  2. Im Umgang mit Musik und seinen Fans steckt mehr Politik, als in jedem Wahlprogramm.
  3. Musik war noch nie so gut wie heute.
  4. Musik braucht keine Industrie, die Industrie braucht Musik.
  5. Wer von Musik leben will, muss leben für Musik.

  1. Die digitale Befreiung hat den Wert von Musik gesteigert.

    Wir nennen sie Fans, Hörer, das Publikum, Liebhaber oder schlicht die Konsumenten. Sie werden sich nie satt hören und wollen immer mehr, weil es immer mehr zu wollen gibt. Nie war es leichter gute Musik zu machen, sie zu entdecken und zu besitzen. Durch die digitale Befreiung ist die Diversifikation in die Musik zurückgekehrt, die rasante kulturtechnologische Evolution in der „Dekade des Mashup“ hat ihr Übriges getan um den Einheitssound der One-Hit-Krise zu überwinden.Je breiter das Spektrum entdeckter Musik also, desto größer das Interesse der kommerziellen Welt auch an der Nische. Desto mehr verschiedene Bands kriegen was von einem in Zukunft gerechter verteilten Töpfchen ab. Desto mehr Programm in Live-Clubs. Desto mehr iTunes Downloads, desto mehr verkaufte Band-Shirts und so weiter.Je vielschichtiger die medialen Möglichkeiten, je größer die Anzahl an digitalen, interaktiven und spezialisierten Medien, Blogs und Streamingdiensten, Digitalen Radio – und TV-Kanälen, desto größer die Nachfrage nach Musik in Videos, Sendungen, Werbespots, Kunstprodukten, Dokumentationen, nach besonderer Musik, einzigartiger Musik. Nach Musik, welche sich vom Joch einengender Copyrights befreit hat und neue Verwertungsmodelle ermöglicht hat.

    Je mehr Musik entsteht und benutzt, gehört und erlebt, diskutiert und zelebriert wird, desto mehr wird über Musik geschrieben, gesprochen und zum Glück auch getanzt. Und jetzt denken wir mal 15 Jahre zurück und stellen uns vor, dass 1-2 Musiksender, 3 lokale Radiostationen und eine handvoll Hefte alles waren, was uns zur Musik einfiel. Dass CDs und Kassetten die Tonträger waren auf denen Musik vervielfältigt wurde. Wer den Wert von Musik also nur an verkauften CDs festmacht, hat nicht nur den Wert von Musik nicht verstanden. Er hat die Gelegenheit verpasst die Chance in dem Neuen zu entdecken, das erst durch den Untergang einer verstaubten Nostalgie entstehen konnte.

  2. Im Umgang mit Musik und seinen Fans steckt mehr Politik, als in jedem Wahlprogramm.

    Gäbe es nicht Obama oder die Musik, wäre Politik heute wohl vollends in der Gosse gelandet. Das TV Duell von zwei sich einander bis zur Schmerzensgrenze gleichenden politischen Führern muss doch ein Faustschlag in den Magen eines Volkes sein, welches offensichtlich von einem dieser Beiden geführt werden soll. Bleibt da noch Musik. Soviel Musik kann man eigentlich gar nicht hören, um das zu verdrängen, aber es gibt viele die das versuchen. Da man aber nicht all diese Musik, die man da hören möchte / müsste mit Geld bezahlen kann, besorgt man sich die Musik, wie die meisten anderen Kids auch kostenlos im Netz. Das aber wollen die Politiker da im Fernsehen nicht und erfinden Gesetze, die dazu dienen, jene zu überwachen, die sich illegal Musik beschaffen. Da das aber fast alle tun, sollte man  halt konsequent jedem, der mehrfach illegale Sachen im Netz macht die Leitung sperren, ginge es nach den Graumenschen im TV.Treffenderweise hat die politische Klasse selbst der politischen Konterbewegung ihren Namen gegeben: Die Piratenbewegung. Da alle, die sich Musik aus dem Netz beschafften von der Obrigkeit als „Piraten“ gebrandmarkt wurden, ließ man sich in Schweden nicht lumpen und erfand mit „The Pirate Bay“ den erfolgreichsten Bittorrent Tracker der Welt aka den größten Datenumtauschplatz für „digitillegale“ Güter sowie zwei Jahre später eine politische Bewegung (Piratenpartei) gegen den gläsernen Konsumenten, die Überwachung des Bürgers etc.Musik trägt nun mal Revolution. Der ganzen Piratenbewegung ist die digitale Revolution zuvorgekommen, die befeuert wurde durch den Wunsch, Musik mit anderen Menschen teilen zu können. So arbeitete unfreiwilligerweise die Wissenschaft (Fraunhofer Institut) mit der Erfindung des Mpeg 3-Codecs und die Studentenbewegung (Shawn Fenning) mit der Erfindung des Peer-To-Peer im Zeichen des besseren Musik-Konsums zusammen und erzeugten den entscheidenden Impuls für eine gigantische Bewegung (Napster/Filesharing/Zerfall des traditionellen Geschäftsmodells der so genannten Musikindustrie).

    Die politischen Paradigmen die aus diesem bedeutenden Funkenschlag der jüngeren Geschichte entstanden prallen heute aufeinander wie Kontinentalscheiben und erzeugen ein politisches Erdbeben. Überwachung gegen Datenschutz, Zensur gegen Informationsfreiheit, Illegalisierung gegen Modernisierung – an all diesen Konflikten hat die Musik einen entscheidenden Anteil gehabt. In all diesen Konflikten lässt sich ebenso die politische Spannung eines Landes erfühlen, das zerrissen ist zwischen Demografischen Problemen, der Wirtschaftskrise und dem Generationenkonflikt. Musik hat dieser Gesellschaft dabei geholfen, ihre wahren Probleme auf den Tisch zu bringen.

  3. Musik war noch nie so gut wie heute.

    Es wurde ja auch noch nie soviel Musik produziert und konsumiert wie heute.

  4. Musik braucht keine Industrie, die Industrie braucht Musik.

    Für die besten Ideen brauchte es nicht immer Risikokapital. Napster hat sich ein Student nebenbei ausgedacht, MySpace entstand nicht als VC Startup, Last.FM ist ebenso ein Werk einer kleinen Gruppe kreativer Menschen, die für ein Problem eine Lösung entwickeln wollten. Was Napster vor rund 10 Jahren für die digitale Revolution getan hat, wurde seinerzeit von MySpace  vor 5 Jahren weitergeführt, als Web 2.0 das große Thema wurde. Dann kam der iTunes Store samt iPod, der mal eben den weltweiten Markt für portable Consumer Electronics auf den Kopf gestellt, von iPhone ganz zu schweigen. Mit Amazon entstand der weltgrößte digitale Marktplatz und begann sein Treiben mit dem Vertrieb von CDs und Büchern. Heute sind es die Innovatoren von Spotify oder Soundcloud die wieder neue Impulse setzen und so die Märkte prägen, oft auch über den Musikmarkt selbst hinaus.Wo wären Mediamarkt und Saturn heute, wenn sie nicht mittels großformatiger Zeitungsbeileger stets dafür gesorgt hätten, dass unbedachte Musikfans auf Schnäppchenjagd wegen der günstigen CDs in den Store strömen um mit Fernseher, Waschmaschine oder Espressomaschine wieder herauszukommen?Einige haben sich gesund gestoßen, weil sie Leuten dabei halfen, Musik mittels passender Soft- und/oder Hardware komfortabler, mobiler oder einfach nur in guter Qualität hören zu können, bzw. audiovisuell genießen zu können. Es ist mehr als nur eine Industrie, die sich bedanken darf bei der Musik, für ihren Beitrag zu Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Da soll sich mal irgendwer wegen der paar Downloads beschweren.

  5. Wer von Musik leben will, muss leben für Musik.

    Das ist dann eine weitere wichtige Erkenntnis. Mal eben nebenbei ein paar Hits rausschütteln wie 1990 ist nicht mehr so sehr. Das Musiklabyrinth ist viel komplexer geworden, das Spiel schwieriger zu spielen, weil es viel mehr Faktoren gibt als noch vor 20 Jahren. Damals bestand allein die Musikmedienlandschaft aus MTV, einem lokalen Radiosender und den oben schon erwähnten Pop- und Rockheften. Da war es leicht aufzufallen. Da war es leicht den Händler zu überzeugen und von den DJs in den Clubs gespielt zu werden.Heute ist das anders. Ein Image lässt sich nicht mal eben auf einem Plattencover definieren, sondern Authentizität und Glaubwürdigkeit werden auf Herz und Nieren geprüft. Über Fakes wird kurz gelacht, dann winkt die Abfalltonne der Geschichte. Die Ära der One Hit Wonder ist vorüber, was zählt ist Musik, die sich allein schon der Refinanzierbarkeit halber auch in Clubs, Hallen und Stadien aufführen lassen können muss. Und dabei gibt es so unglaublich Wettbewerb da draussen. Es ist schwer vorstellbar, dass Milli Vanilli heute noch passieren könnte, wenn man sogar von Britney Spears verlangt, dass sie sich  auf der Showbühne bis ans körperliche Limit verausgabt und trotzdem so weich und klar singen möge, wie es auf ihren Alben klingt. Auch Britney muss mal tief Luft holen während es Refrains. Und kriegt danach trotzdem den Originalmitschnitt ihrer vergeigten Gesangsspur auf YouTube serviert.Es ist nicht wahr zu behaupten, dass heute kaum noch ein Talent von seiner Musik leben könne, doch läuft es nicht mehr so gradlinig ab wie früher. Entdeckt werden, Plattendeal, Medienhype und Charts – so läuft es heute nur noch selten. Nur wer sich seine Fanbase erspielt, erkämpft, gewinnt, überzeugt, wer auf Niveau bleibt und die schwierige Phase durchdringt, wird irgendwann von breiten Medien, vom breiten Publikum selbst und dann auch von größeren Musikmarketingfirmen (aka MajorLabels) entdeckt und vermarktet. Und ab dann ist auch heute noch ein Auskommen mit Musik auf angenehm hohen Niveau möglich. Das alles geht aber nur bei totaler Hingabe und Leidenschaft, ungefähr so, wie sie es einem bei DSDS in der Jury eintrichtern, wenn sie einen nicht direkt nach Hause schicken. Nur Madonna, der sollte man langsam sagen, dass es nun reicht. Sie kann dann jetzt mal nach Hause gehen und ausschlafen. Sie hat es sich auch wirklich verdient.

Achja, bevor ich es vergesse: Das Credo der Woche

KW38/2009: „Es ist nichts so, wie es scheint.“

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