Yousef

Schätze uns Glücklich, Baby.

In Credo der Woche, Leben und so. on 17/01/2010 at 21:40

Vielleicht wurdest du in deinem vorherigen Leben mies bestraft, vielleicht war es Schicksal, oder war dir nur das große Glücksrad im kosmischen TV hold? Fakt ist, du kannst das hier lesen, d.h. du bist der deutschen Sprache mächtig, besitzt Internetzugang und scheinst Zeit zu haben, dich diesen Worten widmen zu können. Verglichen mit dem, was auf der anderen Seite dieser Kugel passiert, ein seltsam dimensionierter Luxus.

(Achja, vorab sei dir gesagt – solltest du nichts für die Opfer des Haiti-Erdbeben gespendet haben, ist das auch nicht so schlimm). Hier geht es nicht um Ablasshandel, Aufbaunarkose oder die Salami-Taktik der eigenen Psychogrammatik, sondern um das „Ja“, Mann! (Englisch: „Yes“, Man!). Schau in den Spiegel: Sag ja. Fühl dich nicht scheiße, weil du z.B. den Kindersoldaten in Liberia nicht helfen kannst, sondern entscheide dich: Entweder, du organisierst was und hilfst ihnen (denn wenn du willst, geht das natürlich) oder du akzeptierst, dass du dein Leben nicht den Kindersoldaten in Liberia widmen willst und tust das, was genau diese Kinder gerne tun würden, wenn sie deine Chancen hätten.

„Ein früherer Klassenkamerad schreibt mir aus Afrika, wenn man sich in Afrika unglücklich fühle, dann fühle man sich noch zehnmal glücklicher, als wenn man sich in München glücklich fühle.“ – Frank Wedekind, „Der Marquis von Keith“, 2. Aufzug, Hermann Kasimir

Seltene Früchte sind dies, die wir nachts im Traum zu speisen wagen, wir haben die Möglichkeiten und nutzen sie nicht. Wir sind ein Volk der Zauberer und exportieren den Wahnsinn in diese Welt. Wir sind ein Volk von Zauderern und exportieren unser Kreuz von Problemen in die Ubahn. Ex-Exportweltmeister. Was könnten wir statt dessen tun?

Quarkwickel?

Wir könnten Michael Schumacher dabei zusehen, wie er mit einer CO2-Fabrik solange im Kreis fährt, bis ein Haufen verkommener Rassisten und Sadomasochisten ihn mit Veuve Cliquot bespritzen. Wir könnten aber auch dem Nachbarn, von dem wir wissen, dass es ihm scheiße geht, zuhören, auch wenn uns seine Trauer eigentlich nicht interessiert. Sie tut es doch. Wir müssen Dinge tun, die wir von uns selbst nicht erwarten. Wir könnten ja mal das Umsonst-Kiez-Anzeigenblatt lesen und in die Kirche nebenan gehen, auch wenn wir Muslime sind, oder mit Gott eigentlich schon abgeschlossen haben. Wir könnten das, was dort steht, persönlich überprüfen, einfach nur, um es mal getan zu haben. Wir könnten eine Gruppe Anonymer Narkotiker besuchen, um diese Menschen zu sehen. Um ihnen in die Augen zu sehen und ihnen dabei zu zuschauen, wie sie glauben. An sich selbst. An die Überwindung ihrer Angst. An ihre Kinder. An ihre Geschichte. An ihre Zukunft. An sich selbst.

Was könnte das für uns bedeuten?

Credo der Woche –

KW 03/2010: „Nicht die Dinge ändern wollen, sondern die Art, wie ich auf sie blicke.“

(a.k.a. „Ja, sagen. Freude haben. Dinge tun. Und sie nicht lassen.“)

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