Yousef

The Chumscrubbers. Tief Luft holen und nicht ignorieren.

In Leben und so., Leinwandzauberei, Literarisches Roulette on 17/01/2010 at 01:57

Manchmal fragt man sich, wieso diese Jugendlichen durchdrehen. Amok laufen. Töten. Andere oder sich selbst. Ein Bisschen Wahnsinn mag normal sein im hormonellen Strom der Gezeiten, doch Grenzen die überschritten werden gibt es in jeder Generation. Was geht in diesen Kids vor. Noch so aufgeklärt wähnt sich unsere heutige, doch wer wissen will, was uns wirklich hinter dem Vorhang des alltäglich Verdrängten erwartet, sollte sich „The Chumscrubbers“ (im schlechten deutschen Titel „Glück in kleinen Dosen“) auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Ein Film, über den ich eher zufällig gestolpert bin, hat mich heute nacht gefesselt. Bedrückend, brüllend schwarz, komisch und doch so reell, dass man es gar nicht sehen will, zeigt der Film wahre Hintergründe auf eingängigste Weise, so offen, dass es schon lustig ist und doch irgendwie beim Zuschauen weh tut. In der Tradition von Filmen wie „Very Bad Things“ oder „Hangover“ bietet der Streifen satten Sarkasmus, brilliante Darsteller und einen Plot, der bis auf ein etwas zu berechenbares Ende grandios gesponnen wird.

Worum geht’s?

Troy ist nicht besonders beliebt in seiner Schule, aber weil er stets voll ausgestattet ist mit Pillen (Psychopharmaka / Antidepressiva) kennen und schätzen ihn alle. Dean, sein bester Freund, kriegt nichts davon mit, dass Troy sich umbringen will, bis er irgendwann vorbeikommt und ihn im Zimmer hängen sieht. Troys Eltern feiern während dessen draußen eine Gartenparty und beschweren sich nicht mal über die ohrenbetäubende Musik aus seinem Zimmer (Achja, der Soundtrack rockt) . Damit sind eigentlich die wichtigsten Parameter definiert:

Kinder außerhalb des Wahrnehmungsradius‘  ihrer Eltern, deren Leben sich ausschließlich um sich selbst dreht. Kinder, die äußerlich adrett und innerlich verwest sind und deren Fehlverhalten, wenn es denn überhaupt auffällt, als jugendlicher Leichtsinn abgetan und mit Psychopharmaka verdrängt wird. Gleichsam aus dem kollektiven Bewusstsein der Erwachsenen verschwinden so nach und nach die Protagonisten des Films, allesamt Jugendliche ungefähr im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. Der Film erklärt uns, dass Kinder nicht in die Welt ihrer  Eltern integriert werden wollen, sondern in die Welt. Der Film erklärt uns, dass die Kinder, die in die Welt ihrer Eltern gezwungen werden, ihre eigene, eine Parallelwelt erschaffen und dort völlg außerhalb der Kontrolle schweben – mit allen Risiken und Verlockungen. Und dass diese Verführung wesentlich interessanter ist, als die Placebo-Ordnung einer für die Galerie aufbereiteten Familien Idylle, ist vielen von uns nicht neu.

Nungut – zum Schluss fließen in einem klassischen Showdown die Erzählstränge zusammen und runden so den ungemein hohen Unterhaltungswert dieser Geschichte ab, wobei die Gefahr besteht, dass ihre eigentliche Botschaft durch dieses „amerikanische“ Ende ein Bisschen zu sehr in den Hintergrund rückt. Dafür ist diese jedoch zu wichtig.

Nichts desto trotz: 4,5 von 4,6 Sternchen für die „Chumscrubbers“.

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