Yousef

Das Comeback der Echtzeit (Eine Zukunft fürs Fernsehen.)

In Leinwandzauberei, Medien, twitter on 31/01/2010 at 22:39

Das Fernsehen ist seit vielen Dekaden ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft. Verbindet uns irgendwie, nebeneinander auf der Couch, und am nächsten Tag in der Cafeteria mit Kollegen oder Freunden. Das gemeinsame Gesprächsthema lebt davon, gemeinsam erlebt worden zu sein. Wenn nicht zusammen auf der Couch, denn wenigstens im Wissen, es zur selben Zeit gesehen zu haben. Sozusagen live, auch wenn das Gesehene ein Film war, der sicher nicht live übertragen wurde.

Mit dem Einzug von YouTube, Hulu.com und Online Videotheken, durch den Erfolg von TV Serien auf DVD, durch iTunes-Mediatheken auf mobilen Playern oder schlicht und ergreifend durch die grassierende Peer-to-Peer Verteilung digitaler Inhalte hat sich etwas an diesem magischen Zusammenhalt in unserem kulturellen Zusammensein verändert. Das Echtzeitmedium No.1 wurde vom On-Demand Medium Internet entscheidend geschwächt. Massenmedium im Abschwung. „One-to-too-many“ bald schon Geschichte. Das kollektive Medienereignis schien passé, weil es einfach unschlagbar komfortabel ist, sich auszusuchen, wann man was sehen möchte.

Doch dann kam Twitter und mit Twitter der Erfolg des Lifestream-Konzepts (u.a. auch bei Facebook). Und mit diesem Prinzip kehrt der kollektive TV-Konsum überraschend wieder zurück. Zumindest szenenweise. Ganz gleich, ob es die Amtseinführung Obamas war, oder die wöchentlich wachsende sonntägliche Tatort-Begleitung im Social Web – gleichzeitig gucken ermöglicht die soziale Interaktion über Kommentierung auf der Metaebene im Netz. Die Medienkonvergenz im übertragenen Sinne, die wahre Interaktion des Zuschauers, nicht mit dem Programm, der Werbung oder den Stars, sondern einfach nur mit den anderen Zuschauern.

Nichts desto trotz steht der TV Markt vor seiner großen Herausforderung, denn so wie bisher wird es in Zukunft trotz Twitter nicht mehr laufen. Hier zeigt sich, dass primär jene Programminhalte über diesen Kanal begleitet werden, die auch zur Twitteraffinen Zielgruppe gehören. Was ist mit dem Breitenprogramm im ZDF für die Ü50-Fraktion? Regionalprogramme im SWR? Kleinkindershows am Vormittag? Mal abgesehen davon, dass man problemlos auch ohne jene Programme leben könnte, ist die Diversifizierung des TV Marktes ja angeblich eine Errungenschaft der Moderne, wie wir sie schufen.  Daher liegt diesen Gedanken die Zielsetzung zugrunde, den TV Markt retten zu wollen. Denn nur YouTube (wie wir es bisher kennen) würde mir dann auch nicht reichen.

Also – hier ein paar erste Ideen

Generell:

– Wenn man was über die Zukunft des TV erzählen will, sollte man die Fragen, die in Zukunft TV konsumieren

– selbstredend sind das die Jugendlichen.

– Ihr Aufmerksamkeitsbudget von heute wird wiederum meist anders verbraucht als – wie früher – vor der Glotze

– YouTube, Social Networks, Online/Konsolen Gaming, Musik, Filme, Clubs, usw.

Daher wird sich ne Menge ändern:

– Das kollektive Prime-Time Fenster wird kleiner.  Weil bis 20 uhr und nach 22 uhr so viel mehr Möglichkeiten zur Aufnahme von Inhalten bereitstehen.

– Echtzeitkonsum wird durch Social Media wieder schick, aber nur, in den Zielgruppen, in denen die entsprechenden Tools Anklang finden

– Zuschauer Interaktion ist /wird eines der wichtigsten Innovationsfelder  („Media Friend“, „Social Television“)

Programm

–       Zunehmende Fragmentierung impliziert kleiner werdende (und klarer) Zielgruppen, aber  auch kleinere Werbebudgets

–       Die Rolle vom TV als Massenmedium geht zu Ende: Die Ära der Nischen ist längst angebrochen

–       Programmbelegung ist eines der wesentlichsten strategischen Mittel zur Steigerung von Reichweite geworden, denn auch wenn sich alles verändert – die Tage werden auch in 100 Jahren nur 24 Stunden haben.

Business Modelle

–       Die Umwälzung in der Wertschöpfung  wälzt auch den Markt durcheinander: Es entstehen neue Allianzen, Produktionsvereinigungen/Einkaufsgemeinschaften/Lizenzierungsstrategien, um das  nach wie vor extrem teure Produkt Qualitätsfernsehen überhaupt noch refinanzierbar zu machen.

–       Werbung bleibt weiterhin wichtig, nur die Form der Werbung wird sich massiv verändern: Weg vom Werbespot, hin zum Product Placement, weg vom Werbeplatz hin zu Branded Content.

–       Wertschöpfung: Die Fähigkeit, jeden möglichen Verwertungsweg für teure Inhalte bestmöglichst zu erschöpfen ist eines der Schlüsselkriterien für die TV Ökonomie der Zukunft. (Kino, Blu-Ray, TV, Online, Mobile, etc)

Kosumszenarien

–       Lean Back

–       Lean Forward

–       On The Go

–       Auf dem Klo.

Soweit so gut. Ich mach jetzt Schluss, ich will unbedingt noch etwas Fernsehen.

Hinweis:

Einige sehr wichtige und spannende Texte zu diesem Thema, die auch in den hier beschriebenen Thesen reflektiert werden, entstammen diesem hervorragenden Businessweek-Dossier unter dem Titel „The Future Of Television“ aus dem April 2009.

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