Yousef

Nicht ohne meine „Social Future“!

In Credo der Woche, Medien, Musikindustrie on 07/02/2010 at 18:16

Was brauchen wir für die Zukunft? Die Zeit, dorthin zukommen. Nur schade, dass wir die nie haben. Morgen ist heute schon gestern gewesen und die Unterhaltungsmaschine schläft nie, darum fängt die Zukunft sogar vorhin schon an und hört nie mehr auf. Die kompetenten Kollegen und Kolleginnen aus der Social Future Gesellschaft wissen genau, wie das geht und erklären uns, dass die Zeit des Jammerns nur noch denen gehört, die keine Social Future mehr haben.

Sie kennen die Zukunft wie ihre Westerntasche und ihre Neoprenlaptophüllen sind bunt wie der Einblick in ein Kaugummiautomatenfenster. Auf den Panels und Barcamps wird die Social Future frisiert, als hätte sie zulange geschlafen und müsste jetzt schnell ordentlich rausgeputzt werden, denn bald wird sie heiraten. Die Brautschau läuft nicht wie gewohnt im gesetzten Tempo unserer bescheidenen Gegenwart, sondern wird in einer Geschwindigkeit vollzogen, die selbst hartgesottensten Schnellzwitscherprofis die Schweißperlen auf die Tastatur tropfen lässt. Future ist halt nix für Lahme Schnecken, und ohne Social ist schonmal gar nix. Also Ellen gewetzt und Augenringe beschmiert geht es in die letzte Runde, wo sich die Social Future mit keiner geringeren messen möchte, vor dem Altar der verbatenen Paralleluniversen, als mit ihr, der mächtigen Mutter des desillusionierten Massenphantoms, die gute, alte, nicht zu verkennende Realität.

Das Jetzt ist geprägt von Zuversicht. Für diese Elite, die hier bei Social Future Wochen über Soziale Medien, Community Managament und den Sinn oder Unsinn von Datenschutz  debattiet. Für die Elite, die viel oder gar kein Geld dafür bekommt, jung, kreativ, mutig und manchmal sogar kompetent zu sein, ist diese Gegenwart ein Paradies. Nachdem die dunklen Wolken der ersten großen Schlechte-Laune-Phase schon seit Jahren verschwunden sind und im Glanze der realitätsgeprüften, neuen Businesswelt meist nur noch jene im Oberwasser schwimmen, die beweisen konnten, was man mit dem Geld machen kann (oder auch genau das Gegenteil), befindet sich die kollektive Kreativszene zwischen Medien, Musik und Internet in einer Art Post-Generationskonfliktphase. Besonders genießen tun dies jene Neo-Eliten, die es (z.B. aufgrund erfolgreicher oder aussichtsreicher Geschäftsentwicklungen) nicht mehr nötig haben, sich gegenüber den Vertretern der alten Garde zu rechtfertigen. Jene, die gar nicht mehr auf den Untergang der Entertainment-Industrie wetten, auf die Alte Schule schimpfen oder sich an den bereits zu genüge bemühten Klischees der verpassten Gelegenheiten abarbeiten. Jene, die diese Zeit nicht mehr verschwenden, sondern sich dem Morgen zuwenden – optimismus im Blut haben und Hoffnung gegen Zuversicht eingetauscht haben. Sie ziehen sich gegenseitig wie Magneten an, sie kennen und mögen sich und spielen lieber mit Lego, als über die Zukunft der Unterhaltungsindustrie zu reden.

Ein bisschen arrogant wirken sie, aber sie sind es nicht. Besonnen sind sie und sie wissen was sie tun. Und auch, dass es besser ist, überhaupt etwas zu tun, statt immer nur drüber zu reden.

Daher mein Credo für die nächste Woche (Achtung – Zukunft!)

KW06/2010: „Es ist besser, etwas Getanes zu bereuen als zu bereuen, nichts getan zu haben.“ (Mellin de Saint-Gelais)

Was könnte passenderes gleichzeitig über die Vergangenheit und die Zukunft dieser Szene gesagt werden?

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  1. Am besten find ich immer noch-alles getan zu haben und trotzdem nichts zu bereuen ; )
    wie die gute Èdit schon sagte:
    No, je ne regrette de rien!
    Kiss you, amore-toller Blogeintrag (wie immer)…

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